SyrienKultur · Glaube · Geschichte
Ugarit

Ugarit · Foto: Haubi|Gerhard Haubold · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · Aufnahme 1994

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Archäologische StättenAuf der UNESCO-Vorschlagsliste: Ugarit (Tell Shamra)Redaktionell geprüft

Ugarit

Ortsname auf Arabisch: أوغاريت

اسم المكان

أوغاريت

محافظة اللاذقية – سوريا

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35.60194, 35.78556

Die Koordinaten sind die des Ortes im Atlas; der Eingang kann abweichen. Vor Ort nachfragen.

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Ugarit war eine bronzezeitliche Hafenstadt an der nordsyrischen Küste, deren Ruinen im Tell Ras Schamra rund 10 bis 12 Kilometer nördlich von Latakia liegen. In der Späten Bronzezeit war sie Hauptstadt eines Handelskönigreichs; ihre Tontafelarchive enthalten die ältesten bekannten Zeugnisse einer systematisch verwendeten alphabetischen Schrift. Syrien hat den Ort 1999 in seine Tentativliste für das UNESCO-Welterbe aufgenommen.

Geschichte

Der Ort war seit der Jungsteinzeit besiedelt; die englischsprachige Wikipedia nennt das Ende des 8. Jahrtausends v. Chr., die deutschsprachige das 7. Jahrtausend. Ab dem frühen 3. Jahrtausend nahm die Siedlung städtische Züge an, wurde um 2200 v. Chr. aufgegeben und in der Mittleren Bronzezeit neu besiedelt und befestigt. Das Archiv von Mari (um 1765 v. Chr.) erwähnt Ugarit und einen Besuch König Zimri-Lims; die Stadt war damals Vasall des Königreichs Jamchad mit Zentrum Aleppo. Funde belegen Kontakte zum ägyptischen Mittleren Reich.

Die Blütezeit fällt in die Späte Bronzezeit. Ugarit trieb Handel mit Ägypten, Zypern, der Ägäis, den Hethitern und den Städten der Levante; die Stadt zählte nach Schätzungen 6000 bis 8000 Einwohner. Unter Niqmaddu II. (um 1350–1315 v. Chr.) wurde Ugarit Vasall des Hethiterreichs, behielt aber weitgehende wirtschaftliche und kulturelle Eigenständigkeit. Briefe aus dem Amarna-Archiv belegen diplomatische Beziehungen zu Ägypten.

Ende des 13. und Anfang des 12. Jahrhunderts v. Chr. litt der östliche Mittelmeerraum unter Hungersnöten, und Angreifer von See her bedrängten die Küste. Der letzte König Ammurapi bat vergeblich um Hilfe, da Heer und Flotte im Dienst der Hethiter standen. Die Stadt wurde geplündert und niedergebrannt, vermutlich durch die sogenannten Seevölker. Die Datierung schwankt zwischen 1194 und 1185 v. Chr.; Radiokarbondaten und astronomische Daten sprechen nach englischsprachiger Darstellung für 1192 bis 1190 v. Chr. Danach wurde Ugarit nicht wieder aufgebaut.[1][2][3]

Anlage und Bauten

Der Tell umfasst etwa 28 Hektar und ist bis zu 20 Meter hoch; eine Stadtmauer mit einem bekannten befestigten Tor umgab die Stadt. Im Westen lag die Königszone mit dem Palast, der im 14. und 13. Jahrhundert v. Chr. in mehreren Phasen um Höfe herum wuchs. Seine Fläche wird sehr unterschiedlich angegeben: rund 6500 Quadratmeter (englischsprachige Wikipedia), rund 10.000 Quadratmeter mit etwa 100 Räumen (deutschsprachige Wikipedia), knapp ein Hektar (UNESCO). Das steinerne Untergeschoss steht stellenweise bis zu 4 Meter hoch; zahlreiche Treppen bezeugen ein verlorenes Obergeschoss.

Auf der Akropolis standen die Tempel des Baal und des Dagan, jeweils mit Vorhalle und Cella. Der Baal-Tempel wurde um die Mitte des 13. Jahrhunderts v. Chr., möglicherweise durch ein Erdbeben, zerstört und nicht wieder aufgebaut, der Dagan-Tempel dagegen erneuert. Zwischen den Tempeln lag das Haus des Oberpriesters. Im Stadtzentrum befand sich der sogenannte Rhyton-Tempel inmitten eines Wohnviertels. Die Wohnhäuser folgten mit Vestibül, Hof und Treppe einem Grundtyp und lagen an engen, unregelmäßigen Gassen.

Zum Königreich gehörten der Hafen Minet el-Beida rund 1,5 bis 2 Kilometer westlich und die Nebenresidenz Ras Ibn Hani etwa 5 Kilometer südlich.[1][2][4]

Nutzung und Bedeutung

Ugarit war Handelsplatz, Königssitz und religiöses Zentrum. Im Baal-Tempel fanden sich Stelen, Statuen und sechzehn steinerne Anker als Weihgaben. Im Haus des Oberpriesters lagen Tafeln mit mythologischen Dichtungen, darunter der Baal-Zyklus, sowie Schreibübungen und Wörterlisten, was auf eine Schreiberschule hinweist. Der Rhyton-Tempel wird auch als Ort des Marzeah gedeutet, eines gemeinschaftlichen Festmahls zu Ehren einer Gottheit.

Nach der Zerstörung blieb der Ort jahrhundertelang verlassen; im 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr. bestand in der Nähe ein kleines Dorf, und auch in römischer Zeit gab es eine kurze Besiedlung. Die Akropolis diente später als Steinbruch und wurde geplündert. 1928 öffnete ein Bauer beim Pflügen zufällig ein Grab in der Nekropole von Minet el-Beida. Ab 1929 grub eine französische Mission unter Claude Schaeffer, später unter weiteren Leitern und ab 2005 als französisch-syrisches Projekt; der Bürgerkrieg unterbrach die Arbeiten 2011.[1][2][4]

Besonderheiten

Um 1400 beziehungsweise ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. entwickelten Schreiber in Ugarit eine alphabetische Keilschrift mit 30 Zeichen. Ihre Buchstabenfolge ähnelt der phönizischen. Daneben diente Akkadisch als Sprache der Diplomatie. Bronzewerkzeuge mit Inschriften ermöglichten nach UNESCO 1930 die Entzifferung; die deutschsprachige Wikipedia nennt Hans Bauer (1932), Charles Virolleaud und Édouard Dhorme.

Unter den Tafeln sind auch hurritische Hymnen, die als älteste erhaltene Musiknotationen gelten. Synchronismen in den Texten, etwa mit dem ägyptischen Kanzler Bay, haben die Chronologie des östlichen Mittelmeers präzisiert. Die UNESCO betont, dass nach sechzig Jahren Forschung erst ein Sechstel des Geländes ausgegraben war.[1][2][4]

Zeitstrahl

  1. 8./7. Jt. v. Chr.

    Erste Besiedlung in der Jungsteinzeit (Datierung je nach Quelle).[1][2][3]

  2. um 1765 v. Chr.

    Das Archiv von Mari erwähnt Ugarit und einen Besuch Zimri-Lims.[1][2][3]

  3. um 1400 v. Chr.

    Entwicklung des alphabetischen Keilschrift-Alphabets mit 30 Zeichen.[1][2]

  4. um 1350–1315 v. Chr.

    Unter Niqmaddu II. wird Ugarit Vasall der Hethiter.[1][2]

  5. 1194–1185 v. Chr.

    Zerstörung der Stadt (nach Radiokarbon- und Astronomiedaten 1192–1190 v. Chr.).[1][2][3]

  6. 1928

    Zufällige Entdeckung eines Grabes in Minet el-Beida.[1][2][3]

  7. 1929–2011

    Ausgrabungen der französischen, ab 2005 französisch-syrischen Mission, mit Unterbrechung 1939–1950; 2011 durch den Bürgerkrieg beendet.[1][2]

  8. 1999

    Aufnahme in die Tentativliste Syriens für das UNESCO-Welterbe.[1][4]

Dokumentierter Zustand

Aktueller Zustand nicht dokumentiert · Stand 2011

Seit der Späten Bronzezeit hat der Fluss Nahr Chbayyeb rund 50 Meter des Nordrands abgetragen; der Südhang ist mit Orangenhainen bedeckt, die Grabungen verhindern. Minet el-Beida ist heute Militärhafen und für Ausgrabungen nicht zugänglich. Die Grabungen wurden 2011 durch den Bürgerkrieg unterbrochen; 2021 wurden nach englischsprachiger Wikipedia zahlreiche Pfeilspitzen aus der Zerstörungsschicht geborgen. Angaben zu Kriegsschäden oder zum aktuellen Erhaltungszustand enthalten die Quellen nicht.[1]

Besuch

Keine geprüften Besuchsinformationen. Die Aufnahme in den Atlas bedeutet nicht, dass der Ort geöffnet oder sicher erreichbar ist.

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Medizinische Hilfe in der Nähe

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Quellen (24)
  1. Wikipedia (en): Ugarit rev. 1374559696 · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  2. Wikipedia (de): Ugarit rev. 270713782 · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  3. Wikipedia (ar): أوغاريت rev. 76573289 · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  4. UNESCO World Heritage Centre, Tentative List: Ugarit (Tell Shamra) (1292) · 2026-10-30
  5. Wikidata · CC0 · 2026-10-30
  6. Wikipedia (el) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  7. Wikipedia (es) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  8. Wikipedia (fa) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  9. Wikipedia (fr) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  10. Wikipedia (hi) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  11. Wikipedia (id) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  12. Wikipedia (it) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  13. Wikipedia (ja) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  14. Wikipedia (ko) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  15. Wikipedia (nl) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  16. Wikipedia (pl) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  17. Wikipedia (pt) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  18. Wikipedia (ru) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  19. Wikipedia (sv) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  20. Wikipedia (tr) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  21. Wikipedia (ur) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  22. Wikipedia (zh) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
  23. UNESCO World Heritage Centre · © UNESCO (link only) · 2026-10-30
  24. OpenStreetMap · ODbL · 2026-10-30
Redaktionell geprüft · Zuletzt geprüft: 2026-10-30. Feld für Feld anhand der zitierten Quellen geprüft (KI-gestützte Redaktion). Fachliche Abnahme ausstehend.
Quellenkonflikte: Entfernung von Latakia 10 km (en) / 11 km (de) / 12 km (ar); Beginn der Besiedlung Ende 8. Jt. (en), 7. Jt. (de), 7500 v. Chr. (ar), Wikidata-Inception −6000 und en „c. 6000 BC“; Zerstörung c. 1185 (en Einleitung, ar), 1192–1190 (en, Radiokarbon), 1194–1185 (de); Palastfläche 6500 m² (en) vs. ca. 10.000 m² (de, ar) vs. knapp 1 ha (UNESCO), en nennt 10.000 m² zugleich für die Königszone; Blütezeit 1500–1200 (en) vs. 1350–1190 (de); Fläche des Königreichs ca. 2000 km² (en) vs. 5425 km² (ar, nicht übernommen); Lage der Akropolis im Nordwesten vs. Nordosten innerhalb des en-Artikels; Entfernung Minet el-Beida 1,5 km (en) vs. 2 km (de); Entzifferung 1930 (UNESCO) vs. Bauer 1932 (de, Vorstellung der Ergebnisse). Die de-Wikipedia schreibt die Hilfeverweigerung aus Karkemiš fest, die en-Wikipedia berichtet, Truppen seien geschickt worden, aber zu spät gekommen – im Text neutral als „vergeblich“ wiedergegeben. Nicht übernommen: Homer-Zitat (ar, unbelegt) und die Deutung des KTU-Textes als Adam-und-Eva-Erzählung (de). UNESCO-Eintrag ist der Tentativlisten-Eintrag 1292 (Text im Paket gekürzt); Wikidata nennt die URL-Form tentativelists/1292, verwendet wurde die Form aus dem Paket-Kopf. Der Fundbericht über Pfeilspitzen 2021 (en) ist ohne Kontext zur Grabungstätigkeit; kein Zustandsbericht nach 2011 vorhanden.

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