
Dura Europos · Foto: Haubi|Gerhard Haubold · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · Aufnahme 1994
Dura Europos
Ortsname auf Arabisch: دورا أوربوس
Dura Europos war eine hellenistische, parthische und römische Grenzstadt auf einem Steilufer rund 90 Meter über dem Südwestufer des Euphrats, nahe dem Dorf as-Salihiya. Um 300 v. Chr. von den Seleukiden gegründet, wurde sie 256/257 n. Chr. von den Sasaniden erobert und danach nicht wieder überbaut. Daher blieben Tempel, Wohnhäuser, Wandmalereien und Schriftfunde außergewöhnlich gut erhalten; die Stadt wird oft „Pompeji der Wüste“ genannt.
Geschichte
Die Stadt entstand um 300 v. Chr. unter Seleukos I. Nikator als Festung an der Kreuzung der Euphratroute mit dem Weg zwischen Antiochia und Seleukia am Tigris. Griechen nannten sie Europos nach dem makedonischen Heimatort des Seleukos, „Dura“ bedeutet auf Aramäisch „Festung“; die Doppelform „Dura-Europos“ ist modern und geht auf Franz Cumont (1922) zurück. Eine Keilschrifttafel mit dem Ortsnamen Da-wa-ra deutet möglicherweise auf eine ältere Siedlung, Bauzeugnisse dafür fehlen. Im 2. Jahrhundert v. Chr. wurde die Stadt nach hippodamischem Raster ausgebaut.
Um 113 v. Chr. (deutsche Fassung: um 114 v. Chr.) eroberten die Parther Dura; es wurde ein regionales Verwaltungszentrum mit gemischter Bevölkerung. Nach einer kurzen Besetzung unter Trajan übernahmen die Römer die Stadt 165 n. Chr. (Zeittafel nach Hopkins: 164) endgültig und machten sie zu ihrem östlichsten Stützpunkt mit Militärlager. Vor dem sasanidischen Angriff schütteten die Verteidiger die Häuser entlang der Westmauer mit Erde auf. 256/257 eroberte Schapur I. die Stadt und deportierte die Bevölkerung; nach deutscher Angabe wurde sie wohl 273 endgültig verlassen.[1][2][4]
Anlage
Die Stadtfläche wird mit 45 Hektar für den ebenen Teil (englische Fassung), rund 50 Hektar (arabische) bzw. etwa 75 Hektar (UNESCO) angegeben; nach deutscher Angabe sind etwa 40 Prozent ausgegraben. Die Mauer mit dem Palmyrenischen Tor ist bis auf Teile der Nord- und Südmauer aufrecht erhalten. Zu den Bauten gehören zahlreiche Tempel – etwa für Artemis, Bel, Atargatis, Zeus Theos und die Gadde –, ein Mithräum, der Palast des Strategos, römische Principia, Thermen, Läden und eine Nekropole mit Grabtürmen.
Die Aufschüttung an der Westmauer bewahrte besonders die Synagoge mit ihrem großen Zyklus figürlicher Wandmalereien (letzte Bauphase 244) und die Hauskirche, die als älteste bekannte christliche Kirche gilt. Die Synagoge wird in einem eigenen Eintrag behandelt.[1][2][3][4]
Nutzung und Bedeutung
Inschriften und Papyri in Griechisch, Latein, Palmyrenisch, Hebräisch, Hatranisch, Safaitisch, Mittelpersisch und Parthisch belegen eine vielsprachige Gesellschaft; das Archiv der Cohors XX Palmyrenorum gibt Einblick in die römische Armee an der Ostgrenze. Die Belagerungsspuren – Minen, Gegenminen und Funde wie bemalte Schilde und vollständige Pferdepanzer – gelten als einzigartiges Zeugnis antiker Kriegstechnik. Grabungen: 1920 Entdeckung von Wandmalereien durch britische Truppen, Kampagnen unter Cumont, 1928–1937 Yale und die Académie des inscriptions, ab 1986 eine französisch-syrische Mission unter Pierre Leriche (arabische Fassung: 1980), beendet 2011.
Dura Europos stand nach der englischsprachigen Wikipedia seit 1999 auf der UNESCO-Tentativliste und wurde 2011 erneut, gemeinsam mit Mari, aufgenommen.[1][2][3][4][5]
Zeitstrahl
- um 300 v. Chr.
- um 113 v. Chr.
Eroberung durch die Parther (deutsche Fassung: um 114 v. Chr.).[1][2][4]
- 165
- 244
Letzte Bauphase der Synagoge, inschriftlich datiert.[1]
- 256/257
Belagerung und Eroberung durch Schapur I.; Deportation der Bevölkerung.[1][2][4]
- 30. März 1920
Britische Soldaten legen Wandmalereien im Bel-Tempel frei.[1][3]
- 1928–1937
Grabungen der Yale University mit der Académie des inscriptions et belles-lettres.[2][3]
- 2011–2014
Galerie
Dokumentierter Zustand
Schwer beschädigt · Stand 2015
Nach der deutschsprachigen Wikipedia zeigen Satellitenbilder vom 4. August 2011 und 2. April 2014 systematische Raubgrabungen; im November 2013 glich das Stadtgebiet einer Kraterlandschaft, und das Grabungsmuseum wurde laut ICOM-Arbeitsgruppe „komplett geplündert“. Die englischsprachige Wikipedia nennt für 2015 eine Zerstörung von mehr als 70 Prozent der Stätte durch Plünderer, vor allem durch den IS.[1][2]
Besuch
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Quellen (23)
- Wikipedia (en): Dura-Europos rev. 1381351642 · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- Wikipedia (de): Dura Europos rev. 266959850 · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- Wikipedia (ar): دورا أوربوس rev. 76940528 · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- UNESCO World Heritage Centre, Tentative List: Dura Europos · 2026-10-30
- UNESCO World Heritage Centre, Tentative List: Mari and Europos-Dura · 2026-10-30
- Wikidata · CC0 · 2026-10-30
- Wikipedia (el) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- Wikipedia (es) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- Wikipedia (fa) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- Wikipedia (fr) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- Wikipedia (id) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- Wikipedia (it) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- Wikipedia (ja) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- Wikipedia (ko) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- Wikipedia (nl) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- Wikipedia (pl) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- Wikipedia (pt) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- Wikipedia (ru) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- Wikipedia (sv) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- Wikipedia (ur) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- Wikipedia (zh) · CC BY-SA 4.0 · 2026-10-30
- UNESCO World Heritage Centre · © UNESCO (link only) · 2026-10-30
- OpenStreetMap · ODbL · 2026-10-30
Relation hasPart Q1577089 (Synagoge) durch Wikidata P527 gestützt; eigener Eintrag für die Synagoge existiert. Konflikte: Parthische Eroberung 113 v. Chr. (en, UNESCO) vs. um 114 v. Chr. (de); Trajan 114 n. Chr. (en-Einleitung) vs. 116 (Zeittafel nach Hopkins in en); römische Eroberung 165 (en, ar, UNESCO) vs. 164 (Hopkins); endgültige Aufgabe wohl 273 (de) vs. Debatte über sporadische Nutzung bis ins 5. Jh. (en); Flächenangaben 45 ha (en, nur ebener Teil) / ca. 50 ha (ar) / ca. 75 ha (UNESCO); Beginn der französisch-syrischen Mission 1986 (en, de) vs. 1980 (ar); erste Grabung 1920 (en, ar) vs. 1921 unter Captain Murphy (de); Hauskirche um 230 (de) vs. 232 (ar). de-Einleitung nennt das Schadensausmaß „derzeit (Juni 2019) unbekannt“, der Abschnitt zu 2013/14 und en (über 70 % 2015) aber massive Zerstörung – Status „heavily-damaged“. Wiederaufnahme 2011 in die Tentativliste gemeinsam mit Mari (en) entspricht dem Eintrag 5702, dessen Seite im Paket kein Jahr nennt. ar-Angaben zu einer babylonischen Gründung und zur Seidenstraße nicht übernommen (de verneint die Rolle als Handelsstadt an der Seidenstraße).